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Dies ist eine Ausstellung, die zur grenzenlosen Dimension des unerfüllbar Möglichen gehört; wäre es nicht so—würde ich nicht über einen bestimmten Horizont hinausblicken, handelte es sich nicht um eine Schwärmerei—so wäre es nicht angemessen, meinen Namen unter den anderen zu führen.
Diese Konstellation, die sich herauszubilden begann, war eine Versuchung, der ich nicht widerstehen konnte, ich gebe es zu!
Also trat ich ein in eine Art „Echokammer“, in der ich zeitlose Verweisungen entstehen sah—wo sich Formen verlagerten, bis sie die Enge überstiegen, die selbst die beste Einzelvorstellung bedrängt, um Zugang zu einer staunenden Dimension zu finden.
Es handelt sich, wie im Werk des Ungeschickten und des Klaustrophoben, um etwas Unendliches, das beunruhigt und zersetzt, das die Netzhaut dessen prägt, der in der Dürre der Bedeutungen leidet.
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Ein Fleck vielleicht, der nach seiner Peripherie sucht, während er jede Individuation überschreitet—und schließlich eine Unangemessenheit, die, so hingeworfen, das Gewebe der Darstellung aufreißt; so ist es mit dem, was, ohne seinen eigenen Grad der Erscheinung erreicht zu haben, als instabiles „Quant“ hervortritt, das die Ansprüche des Inhalts unterläuft!
Wie könnte man also nicht das Heckkastell eines von unbekannter Hand gemalten Schiffes wiedererkennen (ist es wirklich ein Schiff?), das Meere und Himmel verwechselt, in der unähnlichen Form des immer fremden Gironcoli?
Und Minguzzi, der „Hund“ schreit und „Schilf“ sagt*—feiert er nicht seinerseits innerhalb dieser anderen Logik eben jenen Teil eines geheimnisvollen Schiffs, das jedoch im Hafen der Geschichte auf Grund gelaufen ist, mit sichtlichem Einsturz von Haupt-, Kreuz- und Fockmast?
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Bruno GironcoliWilde Jagd, 1988Mixed media on paper / Tecnica mista su carta / Mischtechnik auf Papier60 1/4 x 79 1/8 in
153 x 201 cm -
Ein Zerfall, gewiss hervorgerufen durch die Last jener Fracht, die diese ungewöhnliche Karacke missachtet, während wenig weiter ein anderes Gefährt aufsteigt, zwischen trägen orientalischen Zerstreuungen und einer gewissen traurigen Geschäftigkeit.
Die Geschichte, hieß es, lässt alles hinter sich: Andenken, Kadaver, Trümmer, Gespenster, Ideologien und Fahnen, parasangenweit fortgeschleudert von den Mörsern, die zu spät aus dem Dienst genommen wurden und nun im Vordergrund thronen, gestrandet, für immer vom Unbekannten gemalt, in einer Atmosphäre der Simulation—ein Partituranfang, der das „Vorher“ dieser ebenso künstlichen wie fälschbaren Theorie bildet.
Die vielen Unbekannten der Kunst übersteigen oft die zeitgenössischen Schulen, wirken fernab der Fadenzieher des Augenblicks; sie sind amphibische Wesen, fähig, kleinere Partituren zu entwerfen und ein exzentrisches Idiolekt anzustimmen. Oder bleiben, ganz einfach, solche durch die Nachlässigkeit der Ikonophilen!
Und dann der Krieg, der Brennstoff der Geschichte, der den Besiegten die Kehrseite der Liebe Gottes hinterlässt—nun verstreute Intensitäten, Waisen von Gesetz und Sprache —Bog voli Srbe (2)—die kaum mehr als ein teeriges Rettungsboot auf Fässer legen, die von allem Bösen entleert sind, über denen das Rhizom des Ausweglosen hängt: eine (Nicht-)Swastika, kühnes Kompendium oder vielleicht zur Schau gestellte Ablenkung unmöglicher Fluchtlinien, von Segmenten, dem Gebrauch, den Ideologien und den Winden entzogen.
Es sind dennoch Zeichen, Signifikanten, die im sonnigen Sonntag der Ästhetik angezweifelt werden.
Es sind nichtsdestoweniger Spuren, über denen sich die exegetischen Wolken jedes kommenden Tages verdichten werden!
Besser wäre es also, statt zu wissen, wie man abkühlt, erneut zu schmelzen—den ganzen Stoff nochmals zu versuchen, um erneut aufzurichten, nicht eine Jakobsleiter, sondern einen Pfeiler, eine ungeschmückte Säule ohne Voluten, Kanneluren, Schnörkel oder Haken—denn die Hartnäckigkeit, mit der man das Maß des Zwecks überschreiten will, ist bisweilen ein blinder Auftakt zur Gewalt.
Die Ellipsen neu zu zeichnen und jedes für das Artefakt notwendige Gelenk, einen Kreis zu bilden, eine Schwelle hinzuzufügen, ein Zuhause zu bauen, in dem man die Form entwohnt, nachdem man eine letzte symbolische Tafel gedeckt hat.
Alles zu tilgen, nach allem, und die Materie abfließen zu lassen, um sie sich selbst zurückzugeben!
Und schließlich, erinnere dich:
„der Pol ist ein Gesicht ohne Nacken.“
*Luciano Minguzzi, Cane fra le canne, 1964
*Raša Dragoljub Todosijević, Gott liebt die Serben, 2011
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Kunstwerke
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Unknown, Marina con grande vascello -
Enzo Brunori, La bionda estate, 1971 -
Giuseppe Gallo, Merletto veneziano, 2004 -
Fritz Wotruba, Stehende figur 3/3 , 1966 -
Andrei Roiter, Erba mobile, 2010 -
Luca Signorelli, Cristo morto, 1504-1505 -
Afro Basaldella, Ponte dei Pugni, 1975 -
Jean Fautrier, Le vallon , 1928 -
Simone Pellegrini, Scuotere le forme, 2012
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